Es ist Freitagabend. Das Quartalsgespräch lief gut – die Zahlen stimmen, das Team hat geliefert, der Chef war zufrieden. Auf dem Heimweg denkst du aber nicht an das, was funktioniert hat. Du denkst an den Moment, in dem du kurz gezögert hast. An die kritische Frage, die dich für eine Sekunde aus dem Tritt gebracht hat. An das Projekt, das noch nicht abgeschlossen ist. Äußerlich: Erfolg. Innerlich: dieses nagende Gefühl, dass es trotzdem nicht reicht. Dass du nicht reichst.
Erfolg, der müde macht
Viele Führungskräfte kennen dieses Muster – und die meisten halten es für ein Zeichen von Ehrgeiz. Dabei ist es etwas anderes: ein Denkfehler, der sich wie ein Antrieb verkleidet. Der Kopf hat gelernt, Leistung und Selbstwert in einem Atemzug zu verrechnen. Weil Leistung nie wirklich endet, findet der Selbstwert keinen Boden.
Was im Kopf passiert, wenn Erfolg nicht reicht
Forscher der University of Bath haben in einer der größten Analysen zum Thema Perfektionismus gezeigt, dass diese innere Verrechnung kein individuelles Problem ist – sie hat gesellschaftlich zugenommen. Thomas Curran und Andrew Hill werteten 164 Studien mit über 41.000 Teilnehmenden aus und stellten fest: Perfektionismus, insbesondere das Gefühl, extrem hohen Standards genügen zu müssen, ist seit den 1980er Jahren deutlich gestiegen. Und er geht mit einem mittleren bis hohen Burnout-Risiko einher – nicht weil die Betroffenen zu wenig leisten, sondern weil ihre innere Bewertungslogik keine Pause kennt.
Albert Ellis, der Begründer der Rational-Emotive Verhaltenstherapie, hat dafür einen Begriff geprägt, den er „Ego-Anxiety“ nannte: die Angst, die entsteht, wenn der Selbstwert an Ergebnisse geknüpft wird. Jede Situation, in der Versagen möglich ist, wird damit zur Bedrohung der eigenen Identität – nicht nur des Ergebnisses. Ellis formulierte es direkt: „Wer sein Selbst bewertet oder bemisst, macht sich damit ängstlich, unglücklich – und am Ende unwirksam.“ Das Tückische daran: Diese Verrechnung läuft nicht bewusst ab. Kahneman würde sagen, der Automat im Kopf übernimmt – er bewertet blitzschnell, ob eine Situation Bestätigung oder Bedrohung bedeutet. Du erlebst das als Gefühl, nicht als Gedanke. Deshalb ist es so schwer zu greifen.
Die eigentliche Frage
Der Druck kommt nicht vom Chef, nicht von den Zahlen, nicht vom Team. Er wird innen erzeugt – durch eine Überzeugung, die so tief sitzt, dass sie sich wie Realität anfühlt: Ich bin so gut wie mein letztes Ergebnis. Das ist keine Motivation. Das ist eine Falle. Denn wer so denkt, kann Erfolge nicht wirklich genießen – sie verschwinden sofort im nächsten Anspruch. Und Erschöpfung entsteht nicht durch zu viel Arbeit allein, sondern durch eine Denklogik, die nie Feierabend macht.
Ein einziger Gedanke für heute Abend
Wenn du heute Abend an deinen Arbeitstag denkst – woran misst du, ob er gut war? An dem, was du getan hast? Oder daran, was du dadurch wert bist?
Diese Frage macht einen Unterschied sichtbar, der alles verändert: den Unterschied zwischen dem Bewerten einer Handlung und dem Ableiten des eigenen Werts daraus. Handlungen kann man verbessern. Der eigene Wert ist kein Rechenergebnis – auch wenn der Kopf das seit Jahren anders trainiert hat.
Selbstführung beginnt im Kopf
Genau an diesem Punkt setzt das Leadership Programm des Dr. Holzinger Instituts an. Modul 1 – First Lead Yourself – beschäftigt sich nicht mit Techniken und Methoden, die du auf andere anwendest. Es geht um die Denklogik, die du auf dich selbst anwendest: die eigenen Maßstäbe, Forderungen und Bewertungsmuster, die im Hintergrund laufen – und die entscheiden, ob Erfolg sich gut anfühlt oder nur zum Verschleiß der eigenen Ressourcen führt. Wer sich selbst klarer führt, führt auch andere mit weniger Reibung. Das ist kein Versprechen. Das ist Kognitionswissenschaft.
Lerne den Ansatz des Leadership Programms vorab kennen

Impulsvortrag · Heißer Stuhl · Get-together
Dr. Holzinger Institut, Stuttgart