3 Grübelschleifen, die Führung blockieren

3 gruebelschleifen die fuehrung blockieren

Grübeln tarnt sich oft als Problemlösung.
Es fühlt sich nach Verantwortung an. Nach Nachdenken. Nach Sorgfalt.

In der Führung ist Grübeln jedoch selten ein Zeichen von Tiefe – sondern ein Zeichen dafür, dass das Denken seine Funktion verloren hat.

Nicht, weil zu wenig gedacht wird. Sondern weil das Denken in Schleifen läuft.

Bestimmte Denkprozesse wiederholen sich in der Führung auffallend häufig. Sie fühlen sich rational an, sind aber hochgradig blockierend. Nicht nur für einzelne Personen – sondern für ganze Teams.

Drei dieser Grübelschleifen begegnen uns besonders oft:

1. Die Verantwortungs-Grübelschleife

„Wenn das schiefgeht, bin ich schuld.“

In dieser Schleife überhöhst du Verantwortung innerlich.

Die Entscheidung wird für dich nicht mehr zur Aufgabe, sondern zum persönlichen Prüfstein. Nicht zur Handlung im System, sondern zur Aussage über deinen Wert.

Typische innere Sätze bei dieser Grübelschleife sind:

 „Ich trage die volle Verantwortung.“
„Ich darf mir keinen Fehler erlauben.“
„Wenn das nicht klappt, fällt das auf mich zurück.“

Gedanklich beschäftigst du dich nicht mehr mit Optionen, sondern mit möglichen Schuldzuweisungen. Mit Reaktionen. Mit Rechtfertigungen im Nachhinein.

Dein Denken kreist um Folgen – nicht um die Entscheidung selbst.

Was das bewirkt

Entscheidungen werden:

  • vertagt
  • abgeschwächt
  • in Kompromisse zerlegt
  • oder an andere delegiert

Die Verantwortung bleibt – die Handlung verschwindet. Nach außen wirkst du vorsichtig oder verantwortungsvoll. Nach innen entsteht Druck, Enge und Stillstand.

2. Die Harmonie-Grübelschleife

„Was löst das bei den anderen aus?“

In dieser Schleife richtest du dein Denken permanent auf mögliche Reaktionen aus. Nicht auf die Sache. Nicht auf die Notwendigkeit. Sondern auf Emotionen, die du vorwegnimmst.

Typische innere Sätze bei dieser Grübelschleife sind:

„Das könnte jemanden verletzen.“
„Dann gibt es Diskussionen.“
„Ich will keinen Konflikt lostreten.“
„Das wird sicher schwierig.“

Dein Denken verlagert sich vom Inhalt auf das emotionale Echo. Als Führungskraft führst du innerlich bereits Gespräche, die noch gar nicht stattgefunden haben.

Was das bewirkt:

Entscheidungen werden:

  • weich formuliert
  • relativiert
  • erklärt, bevor sie überhaupt klar sind

Klarheit geht verloren, ohne dass es offen auffällt. Konflikte werden nicht gelöst, sondern zeitlich gestreckt. Kurzfristig entsteht Ruhe. Langfristig wächst Unzufriedenheit – oft auf allen Seiten.

3. Die Kontroll-Grübelschleife

„Ich habe noch nicht alle Informationen.“

Diese Schleife tarnt sich besonders gut. Sie wirkt professionell. Sorgfältig. Vernünftig.

In Wirklichkeit koppelst du Entscheidungen an eine Bedingung, die nie vollständig erfüllt sein kann: vollständige Sicherheit.

Typische innere Sätze bei dieser Grübelschleife sind:

„Ich brauche noch mehr Infos.“
„Das sollten wir nochmal prüfen.“
„Lass uns das noch durchdenken.“
„Vielleicht ergibt sich noch etwas.“

Du bewertest Ungewissheit als Mangel – nicht als Normalzustand.

Was das bewirkt:

Entscheidungen werden:

  • endlos vorbereitet
  • immer weiter vertagt
  • in Analyseprozesse verschoben

Nicht-Entscheiden wird zur Gewohnheit. Teams warten. Dynamik geht verloren.

Was diese drei Grübelschleifen gemeinsam haben

Keine dieser Schleifen entsteht aus mangelnder Kompetenz.

Im Gegenteil: Sie entstehen häufig bei Menschen mit hohem Verantwortungsbewusstsein, hohem Anspruch und ernsthaftem Führungsverständnis.

Alle drei Schleifen haben jedoch denselben Kern:

Gedanken über mögliche Folgen werden mit der Realität verwechselt. Das Denken beschäftigt sich nicht mehr mit dem, was ist oder was zu tun ist – sondern mit dem, was passieren könnte. Dadurch verliert Denken seine steuernde Funktion. Es produziert Unsicherheit statt Orientierung.

Grübeln ist kein Denken

Denken in der Führung hat eine Aufgabe:

  • Optionen abwägen
  • Entscheidungen ermöglichen
  • Verantwortung handhabbar machen

Grübeln tut das Gegenteil. Es hält im Möglichkeitsraum fest.
Es bindet Energie.
Es blockiert Wirkung.
Solange Grübelschleifen nicht erkannt werden, fühlen sie sich verpflichtend an.

Erst wenn sie als Denkprozesse sichtbar werden, verlieren sie ihre Macht.

Kurz zusammengefasst:

  • Grübeln ist kein Zeichen von Tiefe, sondern von Denkverzerrung
  • Verantwortungs-, Harmonie- und Kontrollschleifen blockieren Führung auf unterschiedliche Weise
  • Alle drei Grübelschleifen wirken vernünftig – und genau deshalb bleiben sie oft unbemerkt
  • Führung wird nicht durch mehr Nachdenken wirksamer, sondern durch klareres Denken

Wer führen will, muss nicht weniger Verantwortung tragen. Aber er muss anders mit seinen Gedanken umgehen.

Grübeln entsteht oft aus hohen Ansprüchen an sich selbst – nicht aus mangelnder Kompetenz. Wer versteht, wie diese Denkprozesse funktionieren, gewinnt Handlungsspielraum zurück.

Im Leadership Programm schaffen wir genau diese Klarheit.

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